ver.di

100 Milliarden für die Bildung

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Kita
12.10.2023

Das Bündnis „Bildungswende jetzt“ appelliert an politisch Verantwortliche, für ein gerechtes und inklusives Bildungssystem zu sorgen. Mehr Erzieher:innen und Lehrkräfte seien nötig.


Die Diagnose ist vernichtend: „Unsere Gesellschaft erlebt aktuell eine der schwersten Bildungskrisen seit Gründung der Bundesrepublik“, heißt es in einem von der Initiative „Schule muss anders“, der Arbeitsgemeinschaft der Schulelternbeiräte und „Teachers for Future“ initiierten Appell. Der von etlichen Verbänden und Gewerkschaften unterzeichnete Aufruf „Bildungswende jetzt“ richtet sich sowohl an die Bundesregierung und den Bundestag als auch an die Landesregierungen. Sie fordern mehr Mittel und bessere Bedingungen – angefangen bei der frühkindlichen Bildung in den Kitas.

Es fehlt an allem

„Ein enormer und sich vergrößernder Mangel an Lehrer:innen und Erzieher:innen trifft auf ein veraltetes, unterfinanziertes und segregiertes Bildungssystem, das sozial ungerecht ist“, so die Kritik der Unterzeichnenden. Bundesweit fehlten hunderttausende Kita-Plätze. Über 300 000 zusätzliche Erzieher:innen seien nötig, um die Kinder angemessen betreuen und versorgen zu können. In den Schulen gebe es bis 2035 fast 160 000 Lehrkräfte zu wenig. Dieser Mangel verschlechtere die Bildungschancen und verschärfe die ohnehin bestehende soziale Ungleichheit. „Die Bildungskrise raubt Kindern und Jugendlichen Zukunftschancen, verbaut ihnen Lebenswege und erschwert gesellschaftliche Teilhabe. Sie belastet ganze Familien sowie die Gesundheit von Erzieher:innen und Lehrer:innen.“

Der auch von ver.di unterzeichnete Appell fordert deshalb „eine echte Bildungswende“. Konkret soll ein „Sondervermögen Bildung“ von mindestens 100 Mil­liarden Euro eingerichtet werden, um notwendige Investitionen in Kitas und Schulen zu finanzieren. Dauerhaft sollen wenigstens zehn Prozent des Brutto­inlandsprodukts für Bildung und Forschung aufgewendet werden. Das hatte die Bundesregierung eigentlich schon 2008 beim Dresdner Bildungsgipfel beschlossen, aber nie umgesetzt.

Endlich handeln

Einen solchen Bildungsgipfel unter Einbeziehung aller Akteur:innen brauche es auch jetzt, so die Unterzeichnenden. Der „sogenannte Bildungsgipfel“ im März 2023 – der lediglich drei Stunden dauerte und in dem kaum Praktiker:innen aus den Bildungseinrichtungen zu Wort kamen – habe jedenfalls nicht zur Lösung der Krise beigetragen. Weitere Forderungen sind der Einsatz für eine zukunftsfähige und inklusive Schule sowie eine Ausbildungsoffensive für Lehrkräfte und Erzieher:innen. 

 
Der Appell kann hier heruntergeladen werden: 

https://kurzelinks.de/gxt9