Aufsichtsratswahlen Telekom

Danke für eure Stimmen!

© ver.di
Aufsichtsratswahlen
30.11.2023

Am 12. Oktober fanden die ersten sieben von insgesamt elf in diesem Jahr laufenden Aufsichtsratswahlen statt.

Von Christoph Heil

Bei der Telekom Deutschland GmbH, der Deutschen Telekom Außendienst GmbH, der Deutschen Telekom Individual Solutions & Products GmbH (DT ISP GmbH), der DT IT GmbH, der Deutschen Telekom MMS GmbH, der Deutschen Telekom Geschäftskunden GmbH (DT GK GmbH) und der T-Systems International GmbH hatten alle Wahlberechtigten die Möglichkeit, ihre Arbeitnehmervertreter:innen in die Aufsichtsräte ihrer Gesellschaften zu schicken. Es wurde direkt, das heißt an der Urne oder per Briefwahl, gewählt. In den Aufsichtsräten setzen sich die Arbeitnehmerfraktionen mit je drei betrieblichen, nicht leitenden, einer bzw. einem leitenden Angestellten und Gewerkschaftsvertreter:innen zusammen.

Es gab im Vergleich zu den Wahlen vor fünf Jahren viel Wettbewerb um die Mandate. Neben ver.di reichten auch die DPVKom und andere ihre Wahlvorschläge ein. ver.di bekennt sich mit ihren Wahlvorschlägen zu der betrieblichen, tarifpolitischen und sozialen Verantwortung in den Unternehmen und verweist auf die Expertisen und Kompetenzen in den eigenen Reihen. Wichtig ist es, eine gute Vernetzung zwischen betrieblichen Belangen durch die Kandidaturen von Betriebsräten und hauptamtlichen ver.di-Unternehmensbetreuer:innen abzubilden. Auch der Schulterschluss zu den leitenden Angestellten, die seit vielen Jahren in ver.di organisiert und aktiv sind, ist dabei ein wichtiger Baustein für Solidität und Vernetzung. Eine ver.di-Kandidatur für ein Aufsichtsratsmandat geht mit der Verpflichtung einher, etwaige Vergütungen abzüglich eines kleinen Selbstbehalts an die Hans-Böckler-Stiftung und die ver.di-GewerkschaftsPolitische Bildung gGmbH abzuführen. Das ist das Signal, dass eine Kandidatur auf ver.di-Listen nicht mate­riell getrieben ist.

100 Prozent ver.di
Trotz zum Teil vitaler Konkurrenz gab es hocherfreuliche Wahlergebnisse für ver.di bei der Telekom Deutschland GmbH und der Deutschen Telekom Außendienst GmbH. Hier wurden in allen drei Segmenten (leitende Angestellte, betriebliche Arbeitnehmervertreter:innen und Gewerkschaftsvertreter:innen) alle Mandate an ver.di vergeben. Bei der Telekom Deutschland GmbH zeigt sich Peter Blach als Listenführer überzeugt: „Ich glaube, unsere Wählerinnen und Wähler honorierten unsere Betonung auf einen gemeinschaftlichen Ansatz, der auf Vernetzung und kompetenter Interessenvertretung beruht.“ Auch Olaf Weppelmann von der Deutschen Telekom Außendienst GmbH freut sich über das Gesamtergebnis und seine Wiederwahl: „Wir haben unsere Kompetenzen und Ambitionen glaubwürdig vertreten und die richtigen Themen angesprochen. Nicht nur die Verteidigung des Erreichten, sondern der Blick nach vorn war unseren Wählerinnen und Wählern wichtig.“
Die DT ISP GmbH war in eine Persönlichkeitswahl gestartet. Hier war keine Konkurrenz am Start. Trotzdem wurde zu den Aufsichtsratswahlen kräftig die Werbetrommel gerührt und versucht, alle Wahlberechtigten von den Kompetenzen und Qualitäten der ver.di-Kandidat:innen zu überzeugen. Für Listenführer Florian Fischer war die Standortthematik dabei besonders wichtig. Das Thema scheint richtig gewesen zu sein – so zumindest legen es die Wahlergebnisse nahe.

Konkurrenz belebt das Geschäft nicht
Während die Gewerkschaftsvertreter:innen in den sieben Aufsichtsräten zu 100 Prozent auch in den kommenden fünf Jahren von ver.di sein werden, verloren die ver.di-Wahlvorschläge bei den nicht leitenden betrieblichen Vertreter:innen zum Teil deutlich an Stimmenanteilen. Bei der DT IT GmbH kam es sogar zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen. ver.di hatte mit 1077 Stimmen die Nase gegenüber 1015 Stimmen für die Liste „Mind over matter“ vorn. Damit gingen zwei von drei Mandaten an ver.di. Gewählt wurden Thomas Kilian und Kornelia Dahlhof. In der schwierigen Situation, in der sich die DT IT GmbH durch den geplanten Personalabbau befindet, wird es sicherlich auch im Aufsichtsrat strittige Diskussionen geben.

Absolute Mehrheit reicht nicht
Auch bei der DT Geschäftskunden GmbH hat die ver.di-Liste zwei von drei Mandaten im Segment der nicht leitenden betrieblichen Beschäftigten bekommen. Es waren gleich drei konkurrierende Listen angetreten. ver.di gewann mit 53 Prozent der Stimmen die absolute Mehrheit, aber die Verteilung der Mandate nach d’Hondt führte dazu, dass eine konkurrierende Liste mit knapp 31 Prozent ein Mandat gewonnen hat. Jetzt wird es darum gehen, die Fraktion der Arbeitnehmervertreter:innen im Aufsichtsrat geschlossen aufzustellen.

MMS und T-Systems
Bei der Deutschen Telekom MMS GmbH wurde erstmals ein paritätischer Aufsichtsrat gewählt. Dort traten keine Kandidat:innen der leitenden Angestellten zur Wahl an. Hier wird nun eine gerichtliche Bestellung über die zukünftige Besetzung entscheiden. Bei den betrieblichen Kandidat:innen gab es mehrere konkurrierende Listen. Die Wahlbeteiligung war mit knapp 23 Prozent leider extrem niedrig. Zwei der drei betrieblichen Mandate gingen an ver.di. Bei den Gewerkschafts­vertreter:innen gewann ver.di mit Tim Feise und Enrico Zemke beide Plätze.
Bei der T-Systems International GmbH verbuchte der ver.di-Wahlvorschlag am Ende ebenfalls die meisten Stimmen; mit 45 Prozent gingen zwei von drei Mandaten an ver.di. Mit Herbert Comanns und Susanne Kruse geht ein starkes Gespann in die kommenden fünf Jahre. Bei den leitenden Angestellten hat sich der ver.di-Kandidat für die T-Systems International GmbH nicht durchgesetzt. Herbert Comanns ist sich trotzdem sicher: „Wir sind mit sehr guten Leuten und den richtigen Themen in die Wahlen gegangen. Aber neben den Sachthemen spielen Stimmungen und der Zeitgeist eine Rolle bei den Entscheidungen der Wählerinnen und Wähler. Wir wollen in den kommenden fünf Jahren die Interessen der Beschäftigten optimal vertreten.“
Fazit
Die sieben Aufsichtsratswahlen sind überwiegend positiv für ver.di verlaufen. Aber es gab diesmal auch viel und lautstarken Wettbewerb. Wir müssen nun die Wahlergebnisse genau analysieren und unsere Schlüsse daraus ziehen. Vor allem aber verpflichten sich ver.di-Aufsichtsräte, trotz der schwierigeren Rahmenbedingungen die Aufgaben, Pflichten und Ziele im Blick zu behalten, um die Interessen aller Beschäftigten optimal zu vertreten.
Die Gewählten stehen hier online:

https://mitbestimmen-telekom.de

 

Nächster Wahltermin

Am 7. November treffen sich die Delegierten aus allen Gesellschaften im Konzern, um die Arbeitnehmervertreter:innen für den Aufsichtsrat der Deutschen Telekom AG zu wählen. Gleichzeitig werden dann auch die Aufsichtsräte für die Deutsche Telekom Technik GmbH, Deutsche Telekom Service GmbH und die Deutsche Telekom Privatkunden GmbH von Delegierten gewählt. Damit finden dann die Aufsichtsratswahlen 2023 den finalen Abschluss. Die KOMM wird natürlich berichten.